5 Dinge, die der Amateursport von Olympia lernen kann

Die Winterspiele von Pyeongchang sind vorbei. Und damit die erfolgreichsten Winterspiele des Deutschen Olympischen Sportbundes. Mit 14 Goldmedaillen legten die Athleten ein Rekordergebnis hin auf dem südkoreanischen Schnee und Eis. Aber nicht nur dort. Digital feierte der DOSB gemeinsam mit der Agentur Jung von Matt/Sports und seinen Premiumpartnern Reichweitenrekorde auf Social Media. Was im Sommer 2016 in Brasilien bereits an Fahrt aufnahm, erreichte jetzt einen ersten Höhepunkt. Inhalte sind das neue Sponsoring. Was kann der Amateursport daraus lernen?

Ein Modell wie beim DOSB ist lokal zwar nicht umsetzbar. Allein die Agentur JvM/Sports war mit zehn Personen am Erfolg beteiligt und auch die Sport Marketing GmbH des DOSB stellte mindestens sieben Akteure ab. Im Milliardenspiel einer Olympiade kein Problem. Im Tagesgeschäft eines Amateurvereins jedenfalls undenkbar. Welche Schlüsse sind dennoch erlaubt? Jede Menge! Hier sind 5 Dinge, die der Amateursport von Olympia lernen kann.

1. Vereine, Athleten und Verbände werden zu Medienunternehmen

Dank Social Media liefern alle Beteiligte der Olympischen Spiele Content“ – alle sind Journalisten. So lautet der erste Satz eines Artikels aus dem Marketing-Fachmagazin W&V (Werben & Verkaufen). Besser hätte man es nicht schreiben können. Der amerikanische Social-Media-Guru Gary Vaynerchuk erklärt es ja bereits seit Jahren: „Every single one of you is a media company„. Noch nie wurde so viel Content direkt von den Beteiligten produziert und verbreitet wie bei diesen Winterspielen.

Man kann von den lustigen Sprüchen („Alles Rydzek gemacht“, „Jamanka hat ne Bobmannschaft“) von JvM/Sports halten was man will, aber die gesamte digitale Arbeit funktioniert und bringt frischen Wind in eine lange Zeit verstaubte Berichterstattung. Denn Vereine, Athleten und Verbände dürfen, was „klassische Medien“ nicht dürfen: subjektiv, lustig und manchmal auch verdreht sein. Seinen Premiumsponsoren (Adidas, Toyota, Zurich und Sparkasse) hat der DOSB eine Millionenreichweite beschert. Hier ein Beispiel eines platzierten Sponsors:

Diese Reichweiten kauften sich die Unternehmen bislang als klassische Werbeleistung im TV ein. Jetzt erreichen sie diese Werte bereits dank ihres Sponsorings. Für Verbände und Vereine wächst so im Idealfall der Sponsoring-Topf. Die Unternehmen sparen einfach ein wenig bei der TV-Werbung und erhalten zudem authentische Inhalte direkt von den Athleten, Vereinen und Verbänden. Und das ist etwas, von dem der Amateursport lernen kann: Das neue Sponsoring schafft neue Erlöse.

 

2. Verbände und Vereine sind die neuen Journalisten

Messerscharf geführte Interviews und investigative Recherchen … in der Sportberichterstattung ist das die absolute Ausnahme. Hajo Seppelt, Oliver Fritsch oder Thomas Kistner sind Exoten in einer Branche, die vor allem von Wohlfühl-Fragen und Freundschaften geprägt ist. Die „Vierte Staatsgewalt“ ist im Sport oftmals nur ein harmloser Stubentiger. Ein bekannter Spruch lautet: Sportjournalist ist ein Fan, der es auf die andere Seite der Bande geschafft hat.

Vor allem im Lokaljournalismus gilt: Sportjournalisten sind oftmals Chronisten von Ereignissen, die im Idealfall noch etwas Emotionen vermitteln. Und das können Vereine und Verbände tatsächlich selber leisten. Und oftmals besser. Denn näher dran am Geschehen ist kein anderer. Schneller hat keiner die wichtigen Informationen. Der DOSB hat das bei der Winterolympiade in Pyeongchang eindrucksvoll bewiesen. Auf den Digitalkanälen liefen die Informationen quasi in Echtzeit ein. Und der Blick hinter die Kulissen war dank Facebook, Instagram und Snapchat so umfangreich wie nie zuvor. Fan-Herz, was willst du mehr?

Natürlich ersetzt das keine Profis und die Sportwelt braucht echte Journalisten. Aber Sparmaßnahmen in den lokalen Redaktionen sorgen aktuell dafür, dass die meisten Sportredaktionen sich selbst ersetzbar gemacht haben. Und in diese Lücke stoßen die Vereine und Verbände zunehmend selber. Dafür braucht ein Amateurverein keine teure Agentur und kein aufwendiges Equipment. Es reicht ein Smartphone, Social-Media-Accounts und etwas Planung und Lust.

3. Perfect Minute Content

Sei der Erste oder der Beste. Das geflügelte Wort aus der Journalistik-Ausbildung ist aktueller denn je. Und Social Media verlangt vor allem eins: der Schnellste zu sein. Der DOSB und JvM/Sports haben das als Team perfekt umgesetzt. Die Inhalte standen quasi mit dem Ende des Wettbewerbs auf den Digitalkanälen bereit. Somit wurden die Kanäle des DOSB zu ernstzunehmenden Informationsquellen für die Fans. Und schnell kommunizierte Erfolge führen zu hohen Interaktionen (Likes) auf Facebook und Co., was wiederum vom Algorithmus geliebt und weiter ausgespielt wird.

Gewürzt mit einer ordentlichen Prise Emotionen sorgte das dafür, dass die Reichweite der Digitalinhalte durch die Decke ging. Was natürlich auch an den zahlreichen Erfolgen der Olympioniken lag, die Tag für Tag tolle Siege feierten. Ein Ereignis wie das verrückte Erreichen des Eishockey-Finale wirbelte mächtig Staub auf auf Social Media. Perfect Minute Content („Echtzeitkommunikation“) weiß das zu nutzen.

Und der Amateursport? Der kann damit perfekt arbeiten. Bei Olympia buhlen zahlreiche Medien um die Aufmerksamkeit der Menschen mit Informationen, die für alle nahezu sofort auffindbar sind. Im Amateursport ist der Verein oder der Sportler oftmals der erste, der die Ereignisse und Ergebnisse kennt. Und seinen Fans online davon erzählen kann. Exklusiv und emotional.

4. Nah, näher, Story

Die Story-Funktion von Snapchat, Facebook und Instagram wurde während der Olympiade rege genutzt vom DOSB und von den Athleten. Das ermöglichte private und exklusive Einblicke in die Welt der Athleten. So nah dran war man seinen Idolen noch nie. Dank Smartphone und Social Media hat quasi jeder Sportler seinen eigenen Journalisten in der Hosentasche. Daraus entsteht eine Vielfalt an Bildern, Videos und Einblicken, die kein klassisches Medium der Welt selber produzieren könnte.

Social Media befähigt Athleten und Vereine, direkte Beziehungen zu ihren Fans aufzubauen. Sei es durch intime Einblicke oder durch digitale Interaktionen mit den Fans. Spitzensportler wie Laura Dahlmaier (178.000 Facebook-Fans) oder Andreas Wellinger (121.000) haben eine unglaubliche Reichweite. Und das nicht durch Zufall. Dahinter steckt neben dem sportlichen Erfolg viel Strategie und Arbeit.

Im Amateursport fehlt es vor allem an der Zeit, wenn es um die Umsetzung solcher Strategien geht. Was nicht heißt, dass es unmöglich ist, einen engen Draht zu seinen Fans aufzubauen. Auch hier gilt: Mit Smartphone und Social Media war es noch nie so einfach. Der „Hosentaschen-Journalist“ unterscheidet nicht, ob er für einen Olympioniken „arbeitet“ oder für einen Hobbysportler.

5. Mehr Mut wagen

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ (Albert Einstein)

Der DOSB hat sich in den letzten Jahren getraut, seine Kommunikationsstrategie umzukrempeln und in die Hände der Kreativagentur JvM/Sports zu legen. Das müssen alle Entscheidungsebenen mittragen, ebenso die Sponsoren. Dieser Mut wurde belohnt. Man hört nur euphorische Töne zur neuen Kampagne.

Die Welt verändert sich. Und mit ihr die Art und Weise, wie Menschen Inhalte erstellen, verbreiten und konsumieren. Wer in dieser Welt glaubt, dass alles noch so wie 1998 läuft, der irrt sich nicht nur gewaltig. Der wird abgehängt. Um nicht den Anschluss an die junge Generation zu verlieren, muss vor allem der Amateursport mehr Mut beweisen im Umgang mit den digitalen Möglichkeiten.

Bildnachweis: Material des DOSB / JvM/Sports